Reise & Planung für neue Reiseziele veröffentlicht. Kostenloser Versand in die meisten Länder der Welt.

Kostenloser Versand in die meisten Länder der Welt.

Navigationsmenü öffnen

Zweimal die Kühle | Nyhavn in Kopenhagen

NYHAVN COPENHAGEN

2 BIS 3 STUNDEN
2025/09/27

Die Romantik des Nyhavn-Hafens lebt nicht nur auf Postkarten, sie liegt in der Luft und streicht sanft über die Wangen all jener, die an seinem Kopfsteinpflasterufer entlanggehen. Heute mag der Ort wie ein Märchenreich wirken: Reihen bonbonfarbener Stadthäuser spiegeln sich im Kanal, Ausflugsboote ziehen Wellen über das Wasser, und überall sind Lachen und Kameras. Doch vor Jahrhunderten war dies ein Hafen der Seeleute und Arbeiter, nicht der Geschichtenerzähler.

Der Kanal selbst wurde im späten 17. Jahrhundert auf Befehl von König Christian V. aus der dänisch-norwegischen Union angelegt. Er sollte die Schiffe von der Nordsee bis ins Herz des alten Kopenhagen, zum Kongens Nytorv, führen. Einen Großteil der schweren Ausgrabungsarbeiten verrichteten schwedische Kriegsgefangene und dänische Soldaten nach dem Dänisch-Schwedischen Krieg von 1658 bis 1660.

Damals waren Bier, Seeleute und Bordelle untrennbar mit Nyhavn verbunden. Schiffe legten hier an, um ihre Ladung zu löschen. Doch als die Schiffe größer wurden und der Landtransport schneller und günstiger, mieden selbst kleine Boote den Kopenhagener Hafen allmählich. Nyhavn versank in Stille.

Dann gründete Mitte der 1960er-Jahre eine Gruppe engagierter Einheimischer die Nyhavnsforeningen (Nyhavn-Verein) und drängte die Regierung, das Viertel zu restaurieren. Während der Amtszeit von Bürgermeister Egon Weidekamp wurden alte Schiffe und Reste der Kaimauer bewahrt und als Kulturerbe neu interpretiert. Bis 1980 war der Hafen in eine Fußgängerpromenade verwandelt. Als die Fassaden heller wurden und Cafés auf das Kopfsteinpflaster hinausströmten, fand Nyhavn seinen Rhythmus wieder, nun als Freiluftsalon und Postkartenmotiv der Stadt. Bars, Eisdielen und Restaurants folgten den neuen Besucherscharen.

Schau dir diese Reihen pastellfarbener Häuser an: Sie wirken wie Seiten eines Bilderbuchs, die die Zeit sicher bewahrt hat und die ihr Lächeln im nördlichen Licht entfalten, zart und vielschichtig in echter skandinavischer Ruhe.

Nyhavn ist noch aus einem anderen Grund berühmt: Einst lebte hier Hans Christian Andersen. Von 1845 bis 1864 wohnte er im Haus Nr. 67, wo noch heute eine Tafel an seinen Aufenthalt erinnert; von 1871 bis 1875 zog er in die Nr. 18, heute ein Souvenirladen. Däumelinchen, Die kleine Meerjungfrau und Die Schneekönigin entstanden alle während seiner Jahre hier.

Gehe in Richtung Kongens Nytorv, und du erreichst den Gedenkanker, auf Dänisch Mindeankeret, der an der Kanalmündung steht. Das ursprüngliche, zehn Meter hohe Holzkreuz ehrte dänische Marineoffiziere und Soldaten, die zwischen 1939 und 1945 gefallen waren; 1951 wurde es durch einen Anker der Fregatte GDMS Fyn ersetzt. Wenn du am 5. Mai hierherkommst, kannst du vielleicht Dänemarks offizielle Gedenkzeremonie erleben, feierlich und doch leuchtend im Frühlingslicht.

Die Zeit zieht weiter. Die Maserung der vertäuten Schiffe bewahrt noch immer den Duft von Salz und Meer, während die Schritte der Wanderer die Steine poliert haben, bis sie wie Verse glänzen. Nyhavn ist kein Kanal zum Ozean mehr, sondern ein Kanal zur Erinnerung. Die Geschichte ist zu Wein geworden und lässt die ganze Welt in seiner Umarmung leicht berauscht zurück.

Boats moored along Nyhavn in Copenhagen, with rows of colorful historic houses and crowds enjoying the sunny harbor atmosphere
View of Nyhavn harbor in Copenhagen with classic wooden sailing boats, lively crowds, and bright Scandinavian houses lining the canal
Vibrant waterfront scene at Nyhavn Copenhagen, where people gather by cafés and pastel-colored houses reflecting in the harbor waters
Sunlit Nyhavn colorful houses overlooking the Copenhagen canal, with moored boats and visitors strolling along the historic quay