Diese nordwestchinesische Provinz entfaltet sich wie ein uraltes Manuskript, das von tektonischen Kräften zerrissen und neu geschrieben wurde – jede Seite bricht mit Bildwelten hervor, die jede Vorstellungskraft übersteigen. Im Nationalen Geologischen Park Zhangye Danxia haben drei Millionen Jahre Erosion den Sandstein zu feurigen Graten geformt, deren karmesinrote Falten im Morgenlicht wie fließende Lava glühen. In der Nähe erheben sich die goldenen Dünen des Mingsha-Berges in windgeformten Wellen, mitten im Aufprall erstarrt, während der Mondsichelsee (Yueya-Quelle) eine smaragdgrüne Mondsichel aus Mondlicht in der Umarmung der Wüste birgt.
Durchquere den Wushaoling-Tunnel und du gelangst unvermittelt in die Grasländer des Qilian-Gebirges – ein alpines Meer, in dem Yakherden wie Tintenkleckse auf Jadeseide treiben und Murmeltiere neben Pfeifhasenbauten Wache stehen, während sie Wildblumen festhalten und Fahrzeuge vorbeiziehen. Im Südosten inszeniert die Guan’e-Schlucht einen Kampf zwischen Wasser und Stein: Wasserfälle stürzen sich von ockerfarbenen Klippen und zerbersten an Granitaltären zu Regenbögen, während der Gelbe-Fluss-Steinwald eine Freiluftinstallation aus tausend Sandsteinsäulen enthüllt, deren Schatten bei Sonnenuntergang Kalligrafie in das Lössplateau ritzen.
Wenn die Dämmerung die Grasländer von Gannan färbt, durchbohren Zhaganas zerklüftete Gipfel einen von Sternen übersäten Himmel, und Gebetsfahnen flattern wie flüssige Regenbögen über tibetischen Dörfern. Dies ist keine makellose Postkartenlandschaft, sondern rohe Poesie – hier malen die ungezähmten Pinselstriche der Erde Schluchten als Performancekunst und Wüsten als abstrakten Expressionismus. Von der mineralfarbenen Wucht Danxias bis zu den geflüsterten Geheimnissen der Wüste offenbart Gansu den kühnsten Entwurf der Natur, unbearbeitet und elektrisierend.