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Die Abendbrise kräuselt sanft die Wellen des Rheins, als würden sich zarte Gedanken – Ring um Ring – aus den Tiefen des Flusses bis zum verblassenden Horizont des Himmels ausbreiten. Der Lärm des Tages verliert sich langsam im Abendhimmel, und das Licht wird zu einer Leinwand aus blassem Gold und zartem Violett. Noch immer gehen Menschen am Wasser entlang, doch ihre Schritte haben die Eile verloren – als hätte sich alles um uns herum für einmal darauf geeinigt, langsamer zu werden.
Die von dem Architekten Niklaus Fritschi entworfene und zwischen 1990 und 1997 in mehreren Etappen fertiggestellte Rheinuferpromenade ist längst zu einem der beliebtesten Ziele Düsseldorfs geworden – ihr sanfter Rhythmus wurde immer wieder in Film und Fernsehen eingefangen. Auf rund eineinhalb Kilometern ist die Uferpromenade ein zartes Band, das die Altstadt mit dem Lauf des Rheins verbindet. In den schattigen Bögen der ehemaligen Befestigungsanlagen reihen sich Restaurants mit Blick aufs Wasser; auf den Stufen und sandigen Ufern verweilen, sitzen und versammeln sich Menschen im Lauf der Stunden.
Ich gehe langsam am Ufer entlang und nehme die Gelassenheit der Menschen um mich herum in mich auf. Weiter vorne stehen Bänke still am Flussrand und lassen sich vom Sonnenuntergang in ein sanftes, bernsteinfarbenes Leuchten tauchen. Einige Paare sitzen eng beieinander, ihre Stimmen vom Wind getragen; andere suchen noch entschiedener die Wärme des anderen; manche stehen einfach allein da und genießen einen Augenblick der Einsamkeit.
Hier erstreckt sich die Promenade über zwei Ebenen. Unten quellen die dicht gedrängten Stände vor Lachen und Gesprächen über. Jeder hält ein Glas – Wein, Bier oder einfach ein Getränk – in der Hand und plaudert ungezwungen mit Freunden. Es erinnert mich ein wenig an Großbritannien: Nach der Arbeit braucht man eigentlich nur ein Getränk und gute Gesellschaft. Wenn die Nacht hereinbricht, erwachen die Auftritte zum Leben; bald versteht man, warum diese Stadt sich selbst als Musikhauptstadt bezeichnet. In fast jeder Bar blüht der Jazz auf – Celli, Violinen, Flöten, Klarinetten, Saxofone und Gitarren: Es scheint kein Instrument zu geben, das die Deutschen nicht beherrschen.
Aufgrund seiner nördlichen Lage geht die Sonne hier erst nach acht Uhr unter. Um diese Zeit wird der Himmel immer tiefer: Rosa Wolken färben sich indigoblau, und im nächsten Augenblick erwachen die Lichter am Ufer – von den Jahren gezeichnet, aber noch immer sanft – eines nach dem anderen zum Leben, wie feine Sterne, die an den Ästen der Welt aufgereiht sind. Im Wasser spiegeln sie sich und zerfallen in schimmernde Fragmente, vermischen sich mit den Silhouetten der Menschen, die im milden Wind ihre Freiheit und Freude mit ungezügelter Begeisterung zu verkünden scheinen.
Die Dämmerung hier kennt keine Eile. Sie bringt ein stilles Gefühl der Heilung mit sich. Sie vertreibt das Fieber des Tages und lässt das Herz ein wenig klarer, ein wenig ruhiger zurück. Am Rhein stehend, begreife ich plötzlich: Versöhnung – mit der Welt, mit sich selbst – entsteht nicht immer durch Donner oder Ekstase. Oft liegt sie still und zärtlich in solchen kleinen, friedlichen Augenblicken.




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