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Das Werk mit der Glaskugel ist recht abstrakt. Es stammt von Wang Xinyu aus dem Fachbereich Kunsthandwerk und trägt den Titel „Hier und dort“. Mit chaotisch miteinander verbundenen kugelförmigen Räumen erzeugt es ein Gefühl von Einschluss und Trennung und wird so zur Metapher für die Suche jedes Einzelnen nach den eigenen Ursprüngen und Verbindungen zur Außenwelt, in sichtbaren wie unsichtbaren Räumen. Das äußere Licht fällt durch eine im Inneren verborgene türkisfarbene Kugel und breitet sich nach außen aus, als bewegte sich das eigene Ich rastlos zwischen dem Geistigen und dem Wirklichen auf der Suche nach sich selbst.
Das nächste Werk wirkt auf den ersten Blick wie eine Illustration, ist aber tatsächlich eine der still faszinierendsten chinesischen Installationsarbeiten der Ausstellung. Ich mag seine spielerische und zugleich zeitgenössische Ausstrahlung. Es stammt von Wang Shuyi aus dem Fachbereich Keramikkunst. Verschiedene Tiere ziehen sich durch Torsos und Gliedmaßen in menschlicher Form; Mund, Bauch und Kehle sind über den ganzen Körper hinweg miteinander verbunden und schaffen eine fantastische Struktur, in der alles in alles andere hinein- und wieder herausatmet. Die Arbeit zerlegt die herkömmliche Vorstellung vom Menschen als Hauptfigur und stellt die Frage nach Tieren als Wesen, die dem Menschen gleichgestellt sind, neu. Damit fordert sie die Hierarchien und gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen den Arten heraus. Katzen und Hunde waren nicht dazu bestimmt, unsere Haustiere zu werden; Hühner und Enten waren nicht dazu bestimmt, nur als Nahrung zu dienen. Schon durch ihre Form sprengt die Arbeit die Grenzen und Unterordnungsverhältnisse zwischen Menschen und anderen Arten. In demselben Geist ist die schwarz-weiße Arbeit „Fragmente“ gestaltet: Auch sie durchbricht gewohnte Denkweisen und setzt sie anschließend neu zusammen. Die Künstlerin beobachtet, dass Bilder, die heute in sozialen Netzwerken kursieren, bereits fragmentiert sind, wenn sie das Publikum erreichen. Betrachter konzentrieren sich meist nur auf einzelne Körperteile eines Influencers oder einer anderen Person sowie auf Details innerhalb von Details. Die Künstlerin Cai Yu’er zeigt dem Publikum mit partiellen Ausschnitten und räumlicher Rekonstruktion visuelle Fragmente, die zugleich voneinander getrennt und miteinander verbunden sind.
Das vorletzte Werk ist ausgesprochen realistisch, und seine Aussage erschließt sich ganz ohne Erklärung. Es zeigt eine belebte Bahnhofsszene in der Tradition zeitgenössischer chinesischer Skulptur: einen Querschnitt der Menschheit in Bewegung, alle angetrieben vom gleichen Hunger. Die Menge bewegt sich wie eine Strömung; jeder Einzelne ist vom Strom der Zeit erfasst, Schulter an Schulter, sich gegenseitig stützend und miteinander konkurrierend. Aus diesem Drängen und Gegenwirken entsteht Ordnung, die sich in der Enge der Menge wieder auflöst. Die Erfahrungen und Erinnerungen jeder Generation schreiben die Geschichte dieses gemeinsamen Aufbruchs zu einem unbekannten Ziel.
Auch das letzte Werk äußert sich leise, aber sehr präzise. Bemerkenswert ist, dass die meisten Arbeiten, die ich auf dieser Abschlussausstellung fotografiert habe, von Frauen geschaffen wurden, die die gesellschaftlichen Strömungen der Gegenwart besonders sensibel wahrnehmen. Das ist feministische Kunst im wahrsten Sinne des Wortes: nicht deklarativ, sondern beobachtend. Lin Wanyis Werk „Göttin“ hält den Moment fest, in dem ein gewöhnlicher Mensch „göttlich“ wird. Auf dem Weg zur Schönheit werden Kosmetika zu rituellen Werkzeugen und die Schritte der Schminkroutine zu Disziplinen der Schönheit: zuerst der Puderquast für die Grundierung, dann Primer, Fixierpuder, farbige Kontaktlinsen und falsche Wimpern. Nach dieser sorgfältigen Verwandlung, die sich zwischen Feuchtigkeit, Schweiß und verstreutem Puder vollzieht, verdient sich ein gewöhnlicher Mensch vielleicht unter einem seiner Social-Media-Beiträge einen einzigen Kommentar: „Göttin“ (ein Ausdruck des großen Lobes in der chinesischen Internetkultur für eine Frau, die außergewöhnlich schön ist oder makellos aussieht).





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