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Marmorne Dialoge | Ny Carlsberg Glyptotek Museum, Teil II

NY CARLSBERG GLYPTOTEK MUSEUM

2-4 STUNDEN
2025/09/27

Heute setzen wir den Besuch dort fort, wo der letzte Rundgang endete, und erkunden weitere Skulpturen in der Ny Carlsberg Glyptotek.

Bevor wir eintauchen, noch ein kleiner praktischer Hinweis für alle, die mit den üblichen Abläufen europäischer Museen nicht vertraut sind: Zuerst kauft man immer eine Eintrittskarte und gibt seine Tasche ab. Für die meisten Schließfächer an der Garderobe muss man eine kleine Münzkaution einwerfen, 1 £, 1 € oder 20 dänische Kronen, damit der Schlüssel freigegeben wird. Praktischerweise gibt es im Untergeschoss der Glyptotek ein Kartenterminal, an dem du problemlos einen 20-DKK-Chip bekommst, falls du keine Münzen dabeihast.

Die Statue auf dem Titelbild geht auf einen römischen Fund der Aphrodite zurück, auch bekannt als Typus Hera Borghese, eine von der Göttin Hera, der Gemahlin des Zeus, inspirierte Bildhauertradition. Bei einer Restaurierung im Jahr 1976 stellten Wissenschaftler diese Zuordnung infrage und schlugen stattdessen vor, dass die Figur Aphrodite (Venus) und nicht Hera darstellt.

In der Nähe steht ein weiteres eindrucksvolles Bildwerk: Melpomene, eine der neun Musen der griechischen Mythologie und Schutzpatronin der tragischen Kunst. In einer Hand hält sie eine tragische Maske, auf dem Kopf trägt sie eine Krone aus Weinranken und Blüten, Symbole sowohl göttlicher Eingebung als auch der flüchtigen Schönheit des Theaters.

Die Skulptur der verwundeten Amazone, eine römische Kopie eines verlorenen griechischen Originals, zeigt eine Kriegerin mit einer Schwertwunde unter dem rechten Arm, aus der scheinbar sanft Blut fließt. Der Legende nach wetteiferten griechische Bildhauer einst darum, die schönste Darstellung einer verwundeten Amazone zu schaffen, die Essenz anmutiger Trauer.

Eine eher jugendliche Figur, die in vielen Museen zu sehen ist, ist Antonio Canovas Büste des Paris. Der italienische Meister hält den mythischen Moment fest, in dem der von Zeus beauftragte Hirte Paris entscheiden muss, welche der drei Göttinnen, Hera, Athene oder Aphrodite, die Schönste ist. Die Skulptur zeigt Paris in stiller Betrachtung und verbindet die Reinheit geometrischer Formen mit der Zartheit menschlichen Ausdrucks.

Ein weiteres ernstes Werk, das in Athen ausgegrabene Grabrelief für einen Soldaten, zeigt einen Mann, der sich auf seinen Speer stützt, in einer Haltung des Nachdenkens oder Gedenkens. Aufgrund seiner Komposition und Ausrichtung schließen Wissenschaftler, dass dieses Relief einst Teil eines größeren Grabmonuments war, einer architektonischen Hommage an Heldentum und Sterblichkeit.

Im Herzen des Wintergartens des Museums steht das Werk, das sein Gründer selbst als Mittelpunkt ausgewählt hat: Gloria Victis („Ruhm den Besiegten“) des französischen Bildhauers Antonin Mercié. Die Bronzegruppe zeigt eine geflügelte Frauengestalt, die den leblosen Körper eines gefallenen Soldaten trägt. In der rechten Hand des Soldaten liegt ein zerbrochenes Schwert als Symbol der Niederlage; doch sein trotzig erhobener linker Arm, eine letzte Geste des Triumphs, verwandelt seinen Fall in Transzendenz. Die Aufwärtsbewegung deutet hier nicht mehr auf Resignation, sondern auf Aufstieg, auf den des Geistes und nicht des Fleisches.

In Merciés Darstellung ist der Besiegte nicht vergessen. Die Kriegerfigur wird von Fama, der Göttin des Ruhmes, himmelwärts getragen, und ihr Opfer verwandelt sich in ewigen Ruhm. Die Skulptur strahlt zugleich Trauer und Erhebung aus, eine in Bronze gegossene Elegie, in der die Seele des Besiegten zu einem stillen, entschlossenen Sieg aufsteigt.

Marble statue of Aphrodite from the Ny Carlsberg Glyptotek Museum in Copenhagen
Ancient sculpture of Melpomene, the Muse of Tragedy, holding a theatrical mask at the Ny Carlsberg Glyptotek Museum
The Wounded Amazon statue on display at the Ny Carlsberg Glyptotek Art Museum in Copenhagen
Antonio Canova’s Bust of Paris exhibited at the Ny Carlsberg Glyptotek Museum in Copenhagen
Grave Relief for a Soldier, an ancient Greek funerary sculpture from the Ny Carlsberg Glyptotek collection
“Gloria Victis” bronze sculpture by Antonin Mercié at the Ny Carlsberg Glyptotek Museum in Copenhagen