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Mehr Ruhe, bitte: Der Dianchi-See in Kunming

DIANCHI-SEE, KUNMING

1–2 STUNDEN
2025/12/15

Der Dianchi-See, in früheren Zeiten auch Diannan Ze, Kunming-See oder Kunchi genannt, ist der sechstgrößte Süßwassersee Chinas und der größte See der Provinz Yunnan. Seine Gesamtfläche beträgt etwa 330 Quadratkilometer, ungefähr so viel wie fünfzig Westseen zusammen. Trotz seiner Größe ist er jedoch nicht tief. Die durchschnittliche Tiefe beträgt nur etwa fünf Meter, die tiefste Stelle gerade einmal rund elf Meter.

Der See entstand hauptsächlich dadurch, dass sich Wasser in einem entlang einer Erdbebenverwerfung abgesunkenen Becken sammelte. Eine weitere Tatsache über den Dianchi-See wirkt gerade wegen ihrer Beständigkeit beunruhigend: Seine Oberfläche schrumpft seit Jahrhunderten. In der Tang- und Song-Zeit umfasste sie etwa 510 Quadratkilometer. Bis zur Yuan-Dynastie war sie auf rund 410 Quadratkilometer zurückgegangen. In der Ming-Dynastie waren es ungefähr 350, und von der Qing-Dynastie bis in die Neuzeit nahm die Fläche des Sees weiter stark ab.

1969 versammelten sich 100.000 Soldaten und Zivilisten aus dem Raum Kunming am bekannten Dongfeng-Platz und starteten eine groß angelegte Landgewinnung rund um den See. Die Parolen lauteten, Berge zu versetzen und den See aufzufüllen, um gegen Himmel und Erde anzukämpfen. Rückblickend wirkt der Stempel jener Zeit fast wie ein bitterer Witz. Das Projekt dauerte volle drei Jahre und verringerte die Fläche des Dianchi-Sees direkt um 35.000 Mu. Die Feuchtgebietsökosysteme rund um den See wurden schwer beschädigt und seine natürliche Selbstreinigung stark geschwächt. Zusammen mit Industrieabwässern und häuslichem Abwasser, das entlang der Flussufer im Oberlauf eingeleitet wurde, war die sogenannte „Perle des Hochlands“ in den 1990er-Jahren kaum mehr als ein stinkender Graben. Bis zum Jahr 2000 war die Wasserqualität des Dianchi-Sees bereits schlechter als Güteklasse V; er verlor beinahe jede Funktion als Gewässer, während sich Blaualgen und Wasserhyazinthen überall ausbreiteten.

2021 begann Kunming mit der Umsetzung der Maßnahmen für den Bau und die Verwaltung der ökologischen Feuchtgebiete des Dianchi-Sees. Damit wurde klargestellt, dass Bau und Verwaltung der Feuchtgebiete rund um den See den Grundsätzen wissenschaftlicher Renaturierung, Schutz an erster Stelle und nachhaltiger Entwicklung folgen sollen. Noch heute kann man am Zufluss des Panlong-Flusses Reinigungsboote beobachten, die Blaualgen sammeln und beseitigen. Die Maßnahmen zeigen erste Erfolge, doch im Vergleich zu anderen Gewässern in Yunnan, etwa dem Fuxian-See, ist die Wasserqualität des Dianchi-Sees noch deutlich schlechter. Für das bloße Auge sieht er ungefähr so aus wie der Westsee, auch wenn der Westsee vielleicht ein wenig besser ist.

Und doch bewahrt der Dianchi-See in Kunming seine Anziehungskraft. Sonst würden nicht so viele Schwarzkopfmöwen aus Sibirien hier überwintern. Ihre weißen Schwärme, die über dem Wasser kreisen, sind in Kunmings kalter Jahreszeit zu einer besonders sanften Form von Poesie geworden. Ein Hauch Morgenlicht, ein Streifen Abendrot, Sumpfzypressen, die aus den Feuchtgebieten ragen, und jenes für das Hochland einzigartige Kobaltblau. Klar, zurückhaltend, ein wenig distanziert und frei.

Woman in a white dress walking along the water’s edge at Dianchi Lake, framed by trees rooted in the shallows
Full-body view of a woman in a white dress standing by a tree at Dianchi Lake
Woman in a white dress leaning against a lakeside tree at Dianchi Lake, with shallow blue water and distant gulls in the background